Dein Impfpass ist im Auslandspraktikum das einzige Dokument, das wirklich zählt. Nicht dein Gedächtnis, nicht die Erinnerung deiner Eltern, nicht der Anruf in der alten Kinderarztpraxis. Das Robert Koch-Institut sagt es in einem Satz: Nur dokumentierte Impfungen gelten als durchgeführt. Wer ohne vollständiges Heft in eine Famulatur oder ein Pflegepraktikum nach Sri Lanka, Nepal, Bali oder Sansibar fliegt, holt sich im besten Fall ein paar Spritzen doppelt ab. Im schlechtesten wartet die Gastklinik auf einen Nachweis, den du nicht liefern kannst.
Geschrieben von MUDr. Amandeep Grewal, travel4med.
Key Takeaways
Nur dokumentierte Impfungen zählen. Ein fehlender Eintrag ist für jede prüfende Stelle dasselbe wie eine fehlende Impfung, so das Robert Koch-Institut zum unklaren Impfstatus.
Fünf Angaben muss jeder Eintrag enthalten, und zwar Datum, Impfstoff samt Chargenbezeichnung, Krankheit, Name und Anschrift der verantwortlichen Person sowie deren Bestätigung (§ 22 Absatz 2 IfSG).
Der gelbe Impfpass ist nicht Pflicht, aber praktisch. Das RKI nennt die WHO-Form ausdrücklich als Beispiel. Entscheidend ist allein, dass die Vorgaben des § 22 IfSG eingehalten sind.
Nachtragen geht nur mit Beleg. Ärztin, Apotheker oder Gesundheitsamt dürfen nur bestätigen, wenn ihnen eine frühere Impfdokumentation vorgelegt wird (§ 22 Absatz 2 Satz 3 IfSG).
Plane zwölf Wochen Vorlauf ein. Grundimmunisierungen brauchen mehrere Dosen über Wochen, und ein verlorener Impfpass kostet dich zusätzlich Zeit für Recherche und Termine.
Impfpass im Auslandspraktikum: worauf kommt es wirklich an?
Auf Vollständigkeit und auf Lesbarkeit, nicht auf die Farbe des Hefts. Der Impfpass ist die Impfdokumentation im Sinne des Infektionsschutzgesetzes, also der schriftliche Beweis, dass eine bestimmte Impfung an einem bestimmten Tag mit einem bestimmten Impfstoff verabreicht wurde. Das Robert Koch-Institut nennt als Beispiel die WHO-Form "Internationale Bescheinigungen über Impfungen und Impfbuch", das gelbe Heft. Es schreibt aber im selben Atemzug, entscheidend sei, dass die Vorgaben des § 22 IfSG eingehalten werden.
Für dich heißt das zwei Dinge. Erstens: Ein Ausdruck aus der Praxissoftware, ein Ersatzblatt oder eine Impfbescheinigung sind genauso gültig wie das gelbe Heft, solange alle Pflichtangaben drinstehen. Zweitens: Ein Eintrag ohne Stempel oder ohne Chargenbezeichnung ist angreifbar, und angreifbar ist im Ausland ungefähr so gut wie gar nicht vorhanden.
Ein Hinweis zur Ebene, weil der oft untergeht: Das Infektionsschutzgesetz ist Bundesrecht und gilt in allen 16 Bundesländern gleich. Was deine Heimatfakultät oder dein Landesprüfungsamt zusätzlich an Nachweisen verlangt, regeln sie selbst. Frag dort nach, bevor du deinen Ordner zusammenstellst.
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Was muss laut Gesetz in jedem Eintrag stehen?
§ 22 Absatz 2 IfSG listet fünf Pflichtangaben je Schutzimpfung. Fehlt eine davon, ist der Eintrag formal unvollständig. Genau daran scheitern alte Kindheitseinträge regelmäßig, weil die Chargenbezeichnung damals oft nicht mitgeschrieben wurde.
Nr.
Pflichtangabe nach § 22 Absatz 2 IfSG
Was das für dich heißt
1
Datum der Schutzimpfung
Ohne Datum lässt sich kein Impfabstand und keine Auffrischung berechnen.
2
Bezeichnung und Chargenbezeichnung des Impfstoffes
Der Aufkleber aus der Packung. Fehlt er, notiert die Praxis ihn handschriftlich.
3
Name der Krankheit, gegen die geimpft wurde
Wichtig bei Kombinationsimpfstoffen, weil der Handelsname allein nichts sagt.
4
Name und Geburtsdatum der geimpften Person sowie Name und Anschrift der verantwortlichen Person
Damit ein Eintrag dir zugeordnet werden kann und rückfragbar bleibt.
5
Bestätigung in Schriftform oder mit qualifizierter elektronischer Signatur
Stempel und Unterschrift. Das RKI stellt klar, dass diese Bestätigung nicht an Medizinische Fachangestellte delegiert werden darf.
Nimm dir zehn Minuten und geh dein Heft Seite für Seite durch. Fehlt bei einer Impfung der Stempel? Dann hol ihn dir jetzt, solange die Praxis noch existiert und die Karteikarte noch da ist.
Welche Stelle will welchen Nachweis sehen?
Vier verschiedene Adressaten, vier verschiedene Interessen. Das ist der Grund, warum ein einziger Blick in den Impfpass selten reicht.
Die Gastklinik im Ausland will meist eine kurze ärztliche Bestätigung auf Englisch, oft zusammen mit dem Hepatitis-B-Status. Was genau, sagt dir die Klinik oder dein Ansprechpartner vor Ort, nicht das deutsche Recht.
Deine Heimatfakultät oder dein Landesprüfungsamt prüft die Anerkennung des Praktikums, nicht deine Impfungen. Trotzdem verlangen einzelne Fakultäten eine arbeitsmedizinische Bescheinigung vor Beginn.
Die deutsche Klinik, in der du danach arbeitest, darf deinen Impf- und Serostatus unter engen Voraussetzungen verarbeiten (§ 23a IfSG).
Grenzbehörden interessieren sich nur für ein einziges Dokument, nämlich das internationale Gelbfieberzertifikat. Alles dazu steht im Beitrag zur Gelbfieberimpfung im Auslandspraktikum.
Welche Impfungen für deinen Standort überhaupt sinnvoll sind, klärt unser Überblick zu den Impfungen für Famulatur und PJ im Ausland. Dieser Beitrag hier kümmert sich um das Papier, nicht um die Indikation.
Wie gut sind Erwachsene in Deutschland wirklich geimpft?
Schlechter, als die meisten Medizinstudierenden vermuten. Das Robert Koch-Institut hat für das Epidemiologische Bulletin 49/2022 die Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen ausgewertet. Für Erwachsene in Deutschland im Jahr 2021 kam dabei heraus: 54,4 Prozent hatten in den letzten zehn Jahren eine Tetanusimpfung erhalten, 53,4 Prozent eine gegen Diphtherie, 49,8 Prozent eine gegen Pertussis.
Quelle: Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 49/2022 vom 8. Dezember 2022, KV-Impfsurveillance, Erwachsene in Deutschland, Bezugsjahr 2021.
Und weil ein Bundesdurchschnitt gern eine echte Streuung versteckt: Bei Pertussis lag die Quote 2021 bundesweit bei 49,8 Prozent, in den westlichen Bundesländern bei 45,4 Prozent und in den östlichen bei 71,1 Prozent. Dieselbe Empfehlung, dieselbe Kostenübernahme, ein Unterschied von mehr als 25 Prozentpunkten.
Quelle: Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 49/2022 vom 8. Dezember 2022, KV-Impfsurveillance, Erwachsene in Deutschland, Bezugsjahr 2021.
Die Zahlen sagen nichts über dich persönlich. Sie sagen nur, dass die Chance ziemlich hoch ist, in deinem Heft eine Lücke zu finden, wenn du zum ersten Mal genau hinschaust.
Was tun, wenn der Impfpass weg ist?
Erstmal nicht panisch nachimpfen lassen, sondern suchen. Ein verlorener Impfpass ist ärgerlich, aber selten endgültig, weil die Einträge zweimal existieren: einmal bei dir und einmal in der Karteikarte der Praxis, die geimpft hat.
Alte Praxen anschreiben. Kinderarztpraxis, Hausarztpraxis, Betriebsarzt der Uniklinik, Reisemedizin. Bitte schriftlich um eine Kopie der dokumentierten Impfungen samt Datum und Chargenbezeichnung.
Eltern und Schulakten prüfen. U-Heft, Schuleingangsuntersuchung und alte Bescheinigungen des Gesundheitsamts enthalten oft genau die Kindheitseinträge, die dir fehlen.
Nachtragen lassen. Ärztin, Arzt oder Apotheker dürfen einen Eintrag in einen neuen Impfausweis nachtragen, wenn ihnen eine frühere Impfdokumentation vorgelegt wird. Ohne diesen Beleg darf niemand nachtragen.
Gesundheitsamt einschalten. Legst du die frühere Dokumentation dort vor, muss das zuständige Gesundheitsamt die Bestätigung vornehmen. Das steht so in § 22 Absatz 2 Satz 3 IfSG.
Rest nachimpfen. Für alles, was sich nicht belegen lässt, empfiehlt die Ständige Impfkommission, die indizierten Impfungen durchführen zu lassen.
Klingt nach viel? Ist es auch. Deshalb ist die Suche nach dem Impfpass der erste Schritt deiner Vorbereitung und nicht der letzte. Wer damit erst sechs Wochen vor Abflug anfängt, bezahlt das mit Terminstress.
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In aller Regel nicht. Das Robert Koch-Institut ist hier ungewöhnlich deutlich: Serologische Kontrollen sind nur in Ausnahmefällen angezeigt und zum Nachweis vorausgegangener Impfungen ungeeignet. Ein fehlender Titer belegt nicht, dass nie geimpft wurde, und ein vorhandener Titer belegt nicht, dass die Grundimmunisierung vollständig war.
Die praktische Ausnahme, die dich betrifft, ist der Anti-HBs-Wert bei Risikopersonen. Als Famulantin oder PJ-ler in einem Krankenhaus bist du genau das. Wie dieser Wert zustande kommt und was die Zahl bedeutet, steht im Beitrag zum Hepatitis-B-Titer im Auslandspraktikum. Für alle anderen Lücken gilt: lieber eine Dosis zu viel als ein Nachweis zu wenig. Die STIKO hat diese mögliche Überimpfung ausdrücklich abgewogen und für vertretbar gehalten.
Darf die Gastklinik deinen Impfstatus abfragen?
Im Ausland richtet sich das nach dem Recht des Gastlandes, nicht nach deutschem. Praktisch fragen Kliniken in Sri Lanka, Nepal, Indonesien und Tansania meist nach Hepatitis B, Tetanus und einem allgemeinen ärztlichen Attest. Das ist eine Hausregel der Einrichtung und keine Rechtsnorm, die wir dir hier zitieren könnten.
Für Deutschland gibt es dagegen eine klare Grundlage. Nach § 23a IfSG darf ein Arbeitgeber in einer Einrichtung nach § 23 Absatz 3 IfSG, also zum Beispiel einem Krankenhaus, personenbezogene Daten über den Impf- und Serostatus verarbeiten, soweit das zur Erfüllung seiner Pflichten erforderlich ist, und zwar um über die Begründung oder die Art der Beschäftigung zu entscheiden. Dazu kommt der Masernnachweis, den wir in einem eigenen Beitrag zur Masernimpfung im Auslandspraktikum auseinandernehmen.
Was dein Betriebsarzt vor dem Praktikum von dir will, hängt an der arbeitsmedizinischen Vorsorge. Die Regeln dafür findest du im Beitrag zur arbeitsmedizinischen Vorsorge.
Wie bereitest du deinen Impfpass in sieben Schritten vor?
Diese Reihenfolge hat sich bei unseren Teilnehmenden bewährt. Rechne ab Schritt eins mit rund zwölf Wochen bis zum Abflug.
Impfpass finden und fotografieren. Sofort. Ein Foto in der Cloud ersetzt das Original zwar nicht, rettet dir aber die Daten.
Fünf Pflichtangaben pro Eintrag prüfen. Datum, Impfstoff und Charge, Krankheit, Namen, Stempel. Markiere jede Lücke mit einem Klebezettel.
Reisemedizinischen Termin buchen. Nimm den Impfpass und die Standortinfos mit. Welche Impfung für welches Land sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin, nicht das Internet.
Grundimmunisierungen starten. Mehrdosige Schemata wie bei Tollwut oder Japanischer Enzephalitis brauchen Wochen, nicht Tage.
Englische Bestätigung besorgen. Ein kurzes Attest mit den relevanten Impfungen spart dir vor Ort jede Diskussion.
Kopien trennen. Original in den Handgepäckordner, eine Kopie in den Koffer, ein Scan in die Cloud. Die komplette Packliste fürs Auslandspraktikum sagt dir, was sonst noch dazugehört.
Wer den Ablauf einer Famulatur von Anfang an durchplanen will, findet bei unserem Schwesterprojekt slaymed eine gute Struktur dafür: Famulatur planen im Medizinstudium. Für den Krankenpflegedienst vor dem Physikum gibt es dort die passende Variante, nämlich Pflegepraktikum planen. Und wenn du noch ganz am Anfang stehst und erst einmal wissen willst, was eine Famulatur überhaupt ist, erklärt das dein-medizinstudium.de in seinem Famulatur-Überblick.
Digital, App oder Papier: was vor Ort wirklich zählt
Papier gewinnt, zumindest an der Klinikpforte in Galle oder Pokhara. Das Infektionsschutzgesetz lässt die Bestätigung in elektronischer Form mit qualifizierter elektronischer Signatur oder qualifiziertem elektronischem Siegel ausdrücklich zu. Nur nützt dir eine deutsche Signatur wenig, wenn dein Gegenüber weder die App noch das Prüfverfahren kennt.
Nimm deshalb beides mit: das Original auf Papier und einen Scan als PDF auf dem Handy. Ein Foto vom Impfpass hat außerdem den Vorteil, dass du bei einer Nadelstichverletzung sofort weißt, wie es um deinen Hepatitis-B-Schutz steht, auch wenn das Heft gerade im Zimmer liegt. Was sonst noch in die medizinische Tasche gehört, steht in der Reiseapotheke für Famulatur und PJ.
Noch Fragen offen?
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Wir organisieren Klinikpraktika in Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar und sagen dir vorab, welche Nachweise deine konkrete Gastklinik sehen will. Das nimmt dir die Raterei ab, ersetzt aber keine reisemedizinische Beratung. Ein Hinweis zum Angebot: Bali vermitteln wir für Famulatur, Pflegepraktikum, Praxisphase und Hospitation, für das Praktische Jahr dagegen nicht. Welches Format zu dir passt, klärst du am besten über unsere Seiten zu Famulatur, Pflegepraktikum, PJ, Praxisphase PA und Hospitation. Einen Eindruck davon, wie der Alltag vor Ort aussieht, geben dir die Erfahrungsberichte und die Standortseiten. Wie travel4med in die futuredoctor Group passt, kannst du dort nachlesen.
Unsicher, was deine Gastklinik sehen will? Schick uns dein Wunschformat und deinen Zeitraum, dann sagen wir dir, welche Nachweise wir für diesen Standort kennen. Kostenlose Beratung anfragen
Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal, der für travel4med die reise- und tropenmedizinischen Inhalte verantwortet. Grundlagen dieses Beitrags sind das Infektionsschutzgesetz und die Veröffentlichungen des Robert Koch-Instituts, nicht die Praxis einer einzelnen Klinik. Die Formate selbst erklären wir dir in den Ratgebern zu Famulatur, Pflegepraktikum und Praktischem Jahr.
Häufige Fragen
Quellen
Infektionsschutzgesetz § 22 (Impf-, Genesenen- und Testdokumentation, fünf Pflichtangaben, Nachtragung durch Arzt, Apotheker oder Gesundheitsamt), abgerufen am 29.09.2026: https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__22.html