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Reisedurchfall im Auslandspraktikum: vorbeugen & behandeln

MUDr. Andreas Zehetner
MUDr. Andreas ZehetnerArzt, Co-Founder von travel4med
  • 21. August 2026
  • 11 Minuten
Reisedurchfall im Auslandspraktikum: vorbeugen & behandeln

Reisedurchfall im Auslandspraktikum: vorbeugen und behandeln

Reisedurchfall ist eine Durchfallerkrankung, die du dir im Reiseland über verunreinigtes Essen oder Wasser einfängst – laut der deutschen S2k-Leitlinie „Gastrointestinale Infektionen" liegt sie bei mindestens drei ungeformten Stühlen pro Tag vor. In Hochrisikogebieten wie Südasien oder dem tropischen Afrika erkranken 15 bis 50 Prozent der Reisenden, und junge Erwachsene sind überdurchschnittlich oft betroffen. Die Kurzantwort für dein Praktikum: Essen und Wasser konsequent auswählen, eine orale Rehydratationslösung im Gepäck haben, Loperamid nur kurz und nie bei Fieber oder Blut im Stuhl nehmen – und Antibiotika nicht vorbeugend, sondern nur bei schwerem Verlauf. Damit verlierst du im Schnitt zwei Tage statt einer ganzen Woche auf Station.

Geschrieben von Nils André Stritt, Autor bei travel4med, der Medizin-, Pflege- und PA-Studierende auf Famulaturen, Pflegepraktika und PJ-Tertiale in Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar vorbereitet.

Key Takeaways

  • Definition: Reisedurchfall liegt ab drei ungeformten Stühlen pro Tag im Reiseland vor (S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen, Version 2.0, November 2023).
  • Risiko: In Südasien und im tropischen Afrika trifft es 15 bis 50 Prozent der Reisenden – weltweit rund 40 Millionen Fälle pro Jahr. Jugendliche und junge Erwachsene liegen über dem Durchschnitt.
  • Verlauf: Meist in der ersten Reisewoche, meist mild, spontanes Ende nach 3 bis 5 Tagen – aber etwa ein Viertel der Betroffenen muss die Reisepläne ändern.
  • Therapie: Primärtherapie ist die orale Rehydratation. Loperamid höchstens zwei Tage und nie bei Fieber oder blutigem Stuhl. Eine antibiotische Prophylaxe soll laut Leitlinie generell nicht erfolgen.
  • Alarmzeichen: Fieber, Blut im Stuhl, anhaltendes Erbrechen, Kreislaufprobleme oder Durchfall über fünf Tage – dann brauchst du ärztliche Hilfe und eine Stuhldiagnostik.

Was ist Reisedurchfall – und wie hoch ist dein Risiko?

Mehr als 100 Millionen Menschen reisen jedes Jahr aus Industrieländern in tropische und subtropische Regionen. Die S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS, AWMF-Registernummer 021-024) rechnet daraus rund 40 Millionen Erkrankungen pro Jahr hoch. In Hochrisikogebieten wie dem tropischen Afrika oder Südasien sind 15 bis 50 Prozent der Reisenden betroffen; in Regionen wie Mittelamerika, China oder der Karibik liegt die Inzidenz bei 8 bis 15 Prozent.

Für dich als Studentin oder Student ist ein Satz aus der Leitlinie besonders relevant: Jugendliche und junge Erwachsene haben eine überdurchschnittlich hohe Inzidenz. Die Autoren erklären das damit, dass Jüngere häufiger riskante Lebensmittel probieren – und dass Vielreisende mit den lokalen Keimen schon Kontakt hatten und deshalb milder erkranken.

RegionErkrankungsrisiko laut S2k-Leitlinietravel4med-Standort
Tropisches Afrika15–50 %Sansibar (Tansania)
Südasien15–50 %Sri Lanka, Nepal
Mittelamerika, China, Karibik8–15 %
Südostasienin der Leitlinie nicht separat beziffertBali (Indonesien)

Der typische Verlauf ist harmloser, als der Name vermuten lässt: Reisedurchfall tritt meist in der ersten Reisewoche auf, ist mild bis moderat und hört nach drei bis fünf Tagen von allein auf. Trotzdem muss etwa ein Viertel der Betroffenen die eigenen Pläne umstellen – im Praktikum heißt das: Dienste tauschen, Fehltage sammeln, Anschlussreisen absagen. Schwere Verläufe mit blutigem Durchfall und Fieber bleiben die Ausnahme.

Klinische Syndrome des Reisedurchfalls nach Häufigkeit Drei Balken zeigen die Häufigkeit der klinischen Syndrome: akute wässrige bis breiige Diarrhö 80 Prozent, akute Gastroenteritis mit dominierendem Erbrechen 10 Prozent, blutige Diarrhö 1 bis 9 Prozent. Quelle: S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen, Tabelle 16, November 2023. Wie äußert sich Reisedurchfall? (Anteil der Fälle) 80 % wässrige bis breiige Diarrhö 10 % Gastroenteritis (Erbrechen) 1–9 % blutige Diarrhö (oft mit Fieber)
Häufigkeit der klinischen Syndrome bei Reisedurchfall. Quelle: S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen der DGVS, Version 2.0 (November 2023), Tabelle 16, AWMF-Registernummer 021-024.

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Welche Erreger stecken hinter dem Durchfall in Nepal und an anderen Standorten?

Bakterien, Viren und – bei langem Verlauf – Parasiten. Das Erregerspektrum unterscheidet sich deutlich von dem, was du aus deutschen Kliniken kennst: Neben Campylobacter, Noroviren und Salmonellen spielen im Ausland vor allem enterotoxinbildende E. coli (ETEC), andere pathogene E.-coli-Stämme und Shigellen eine Rolle. Die Leitlinie zitiert dazu eine Studie mit 410 Stuhlproben, die direkt im Reiseland genommen wurden – mit Nepal als größter Einzelgruppe.

ErregerNepal (n=165)Thailand (n=16)Peru (n=171)Gesamt (n=410)
Noroviren32 %44 %16 %24 %
ETEC21 %6 %9 %16 %
Campylobacter18 %31 %9 %14 %
EAEC11 %6 %3 %7 %
Shigellen10 %0 %9 %10 %
Kein Erreger nachweisbar30 %6 %54 %41 %
Erregernachweise bei Reisedurchfall in Nepal (165 Stuhlproben) Sechs Balken zeigen den Anteil positiver Stuhlproben in Nepal: Noroviren 32 Prozent, kein Erreger nachweisbar 30 Prozent, ETEC 21 Prozent, Campylobacter 18 Prozent, EAEC 11 Prozent, Shigellen 10 Prozent. Quelle: S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen, Tabelle 17, November 2023. Erreger bei Reisedurchfall in Nepal (n=165) 32 % Noroviren 30 % kein Erreger nachweisbar 21 % ETEC 18 % Campylobacter 11 % EAEC 10 % Shigellen Mehrfachnachweise möglich; Anteil an untersuchten Proben
Erregernachweise in 165 Stuhlproben von Reisenden in Nepal. Quelle: S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen der DGVS, Version 2.0 (November 2023), Tabelle 17, AWMF-Registernummer 021-024.

Zwei Dinge liest man aus diesen Zahlen heraus. Erstens: In fast einem Drittel der Fälle findet man gar keinen Erreger – „unklar" ist also normal und kein Grund für Panik. Zweitens: Weil so viele verschiedene Keime dahinterstecken, gibt es keine Impfung gegen Reisedurchfall, und laut Leitlinie ist auch keine in Kürze zu erwarten. Was du dir dagegen tatsächlich wegimpfen lassen kannst, steht im Ratgeber zu den Impfungen für Famulatur und PJ im Ausland.

Wichtig ist die Zeitachse: Hält der Durchfall länger als zwei bis vier Wochen an, sollen Protozoen wie Lamblien (Giardia) oder Entamoeba histolytica abgeklärt werden. Je länger es dauert, desto wahrscheinlicher wird eine parasitäre Ursache – auch noch Wochen nach der Rückkehr nach Deutschland.

So senkst du dein Risiko: Essen, Wasser und Händehygiene

Die Leitlinie nennt die Nahrungsmittelhygiene als Maßnahme mit höchster Priorität, weil der Übertragungsweg über kontaminierte Nahrung und Flüssigkeiten läuft. Konkret heißt das für deinen Praktikumsalltag:

  1. Wasser nur versiegelt oder abgekocht trinken – auch zum Zähneputzen. Eiswürfel in Getränken zählen als Leitungswasser.
  2. Gekochtes bevorzugen, Rohes meiden: heiß servierte Gerichte statt Buffet-Salaten, die schon länger stehen.
  3. Obst selbst schälen, statt vorgeschnittene Stücke zu kaufen.
  4. Händehygiene vor jedem Essen: Seife, wenn verfügbar, sonst Händedesinfektionsmittel aus der eigenen Tasche.
  5. Vorsicht bei Magensäureblockern: Wer dauerhaft Protonenpumpeninhibitoren nimmt, hat laut Leitlinie ein erhöhtes Risiko – das vor der Reise mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.
  6. Schriftlichen Notfallplan mitnehmen: Die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, sich die Empfehlungen zu Selbsttherapie und Alarmzeichen schriftlich mitgeben zu lassen.

Bunte, frische Lebensmittel wie Gemüse und Obst auf einem Tisch angeordnet – Lebensmittelhygiene ist die wichtigste Maßnahme gegen Reisedurchfall im Auslandspraktikum

Was ausdrücklich nicht empfohlen wird: eine antimikrobielle Chemoprophylaxe. Die Leitlinie formuliert das als starke Empfehlung mit starkem Konsens – Antibiotika „auf Vorrat" täglich einzunehmen, soll generell nicht erfolgen. Gründe sind Nebenwirkungen, Resistenzen, fehlende Wirkung gegen Viren und Parasiten sowie die trügerische Sicherheit, die dann bei der Hygiene nachlässt. Chinolone sind für diesen Zweck seit 2019 ohnehin nicht mehr zugelassen. Auch für Probiotika zur Vorbeugung kann die Leitlinie keine Empfehlung geben. Was stattdessen in dein Gepäck gehört, findest du in der Reiseapotheke für Famulatur und PJ und in der Packliste fürs Auslandspraktikum.

Was tun, wenn es dich erwischt – Schritt für Schritt?

Erst trinken, dann alles andere. Die orale Rehydratation ist laut Leitlinie die Primärtherapie und der intravenösen Gabe überlegen, solange du selbst trinken kannst. Gehe in dieser Reihenfolge vor:

  1. Flüssigkeit und Elektrolyte ersetzen: Fertige Pulverbeutel aus der Apotheke oder die WHO-Trinklösung von 2002 anmischen und über den Tag verteilt trinken.
  2. Essen anpassen, nicht streichen: leichte, salzhaltige Kost; auf Alkohol verzichten.
  3. Loperamid nur bei ausgeprägtem Durchfall ohne Fieber und ohne Blut – maximal zwei Tage, bei Erwachsenen höchstens 16 mg pro Tag. Es ist eine symptomatische, keine kausale Therapie. Alternativ nennt die Leitlinie Racecadotril.
  4. Bei Fieber oder Blut im Stuhl: kein Loperamid. Hier besteht das Risiko eines toxischen Megakolons.
  5. Antibiotika nicht routinemäßig. Eine empirische Therapie ist schweren Verläufen und Risikopatienten vorbehalten; Azithromycin als Einmaldosis von 1000 mg gilt derzeit als beste Wahl – aber nach ärztlicher Rücksprache, nicht im Selbstversuch.
  6. Nach fünf Tagen Durchfall: Stuhldiagnostik. Die Leitlinie empfiehlt bei jedem Fernreisenden mit mehr als fünf Tagen Diarrhö eine mikrobiologische Abklärung.

Wenn du keine Fertigmischung hast: Die „neue WHO-Trinklösung" von 2002 ist niedrigosmolar und hat laut Leitlinie diese Zusammensetzung.

BestandteilMenge pro Liter
Glucose75 mmol/L
Natrium75 mEq/L
Kalium20 mEq/L
Chlorid65 mEq/L
Citrat10 mmol/L
Gesamtosmolarität245 mOsm/L

Für Tannin, Kaolin, Pektin und medizinische Kohle gibt es laut Leitlinie keine Evidenz – die kannst du im Regal stehen lassen. Bismutsubsalicylat, das in US-Ratgebern häufig auftaucht, ist in Deutschland nicht zugelassen.

Wann brauchst du ärztliche Hilfe im Praktikumsland?

Sobald eines dieser Zeichen dazukommt, gehört der Fall in ärztliche Hände – auch wenn du selbst gerade in einer Klinik arbeitest: fieberhafter oder blutiger Durchfall, anhaltendes Erbrechen, zu geringe Trinkmenge, reduzierter Allgemeinzustand mit Exsikkose, niedrigem Blutdruck oder Kollapsneigung, oder eine Vorerkrankung wie eine Immunsuppression. Komplizierte Verläufe können über Flüssigkeits- und Elektrolytverluste bis zum Nierenversagen führen; außerdem kann die Aufnahme anderer Medikamente gestört sein – relevant etwa bei der Malariaprophylaxe oder der Pille.

Zwei Zahlen zum Einordnen: Schwere dysenterische Verläufe mit blutigem Durchfall betreffen unter 10 Prozent der Fälle (in Lateinamerika und Afrika 1 bis 3 Prozent, in Indien bis 9 Prozent). Und bei 5 bis 10 Prozent der Betroffenen entwickelt sich ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom – Beschwerden, die also noch eine Weile nach der Rückkehr bleiben können.

Kläre vor dem Abflug, wie deine Versicherung eine ambulante Behandlung vor Ort abwickelt und ob sie Stuhldiagnostik übernimmt. Der Ratgeber zur Versicherung für Famulatur und PJ im Ausland geht die Policen im Detail durch.

Du planst gerade dein Praktikum? In der kostenlosen Beratung von travel4med gehen wir mit dir Standort, Zeitfenster und die medizinische Vorbereitung durch – von der Reiseapotheke bis zur Frage, welche Klinik zu deinem Fachgebiet passt.

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Reisedurchfall im Klinikalltag: Fehltage, Team und Selbstschutz

Im Praktikum bist du nicht nur Patient, sondern arbeitest selbst am Bett. Deshalb gilt: Bei akutem infektiösem Durchfall bleibst du von der Station weg und sprichst mit deiner Betreuungsperson, statt „durchzuziehen". Das ist keine Schwäche, sondern Infektionsschutz – in Kliniken mit knapper Ausstattung erst recht. Sag früh Bescheid, damit Dienste getauscht werden können, und dokumentiere Fehltage, weil Famulatur, Pflegepraktikum und PJ-Tertial jeweils eigene Anwesenheitsregeln haben.

Praktisch heißt das für die drei Praktikumsformen: In einer vierwöchigen Famulatur im Ausland kosten zwei Krankheitstage rund 7 Prozent deiner Zeit; im Pflegepraktikum mit 30 Kalendertagen pro Abschnitt zählt jeder Tag für den Nachweis; im PJ im Ausland mit rund 16 Wochen hast du mehr Puffer, aber auch strengere Fehltageregeln. Wer nach Pokhara geht, findet die Rahmenbedingungen im Beitrag zu Famulatur und Pflegepraktikum in Nepal. Und wenn du beim Arbeiten mit Körperflüssigkeiten unsicher bist, hilft der Guide zur Nadelstichverletzung im Auslandspraktikum weiter.

Ein letzter Tipp aus der Erfahrung vieler Praktikantinnen und Praktikanten: Reisedurchfall trifft die meisten in der ersten Woche – also genau dann, wenn du dich einarbeitest und niemanden kennst. Plane deshalb die ersten Tage bewusst ruhig, trink viel, und halte die Rehydratationsbeutel im Zimmer statt in der Klinik.

Häufig gestellte Fragen

Quellen