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Krankenhauskeime im Auslandspraktikum richtig vermeiden

MUDr. Andreas Zehetner
MUDr. Andreas ZehetnerArzt, Co-Founder von travel4med
  • 27. August 2026
  • 13 Minuten
Krankenhauskeime im Auslandspraktikum richtig vermeiden

Krankenhauskeime im Auslandspraktikum richtig vermeiden

Krankenhauskeime im Auslandspraktikum sind Bakterien, die du dir in einer Klinik einfängst und gegen die die üblichen Antibiotika nicht mehr wirken – im Fachjargon multiresistente Erreger, kurz MRE. Die Kurzantwort vorweg: Dein Risiko steuerst du fast vollständig über Basishygiene, vor allem über die Händedesinfektion und den Verzicht auf Tätigkeiten, für die du nicht ausgebildet bist. Eine Impfung dagegen gibt es nicht.

Geschrieben von Celina Köhsl, Medizinstudentin und Teammitglied von travel4med. Fachlich geprüft von MUDr. Amandeep Grewal. Dieser Beitrag ordnet die Datenlage ein und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.

Key Takeaways

  • Das Risiko ist regional verteilt: Weltweit war 2023 rund jede sechste laborbestätigte bakterielle Infektion resistent gegen Antibiotika – in den WHO-Regionen Südostasien und östliches Mittelmeer jede dritte (WHO-Faktenblatt „Antimicrobial resistance", Stand 16.07.2026).
  • Drei von vier travel4med-Standorten liegen in dieser Region: Sri Lanka, Nepal und Indonesien gehören laut WHO zur Region Südostasien, Tansania zur Region Afrika. Das ist ein Grund für sauberes Arbeiten, kein Grund für Panik.
  • Es gibt kein Routine-Screening für Personal: Die KRINKO empfiehlt ausdrücklich keine routinemäßige Untersuchung von Personal auf eine MRSA-Besiedlung. Ob deine Heimatklinik dich nach der Rückkehr abstreicht, steht in ihren eigenen betrieblichen Festlegungen – Krankenhauskeime im Auslandspraktikum sind also eine Hausregel, keine Bundesvorschrift.
  • Der 12-Monats-Blick gilt Patient:innen: Für das Aufnahme-Screening zählt die KRINKO Patient:innen mit einem stationären Aufenthalt von mehr als drei Tagen in den zurückliegenden zwölf Monaten – ausdrücklich auch in Kliniken im Ausland.
  • Vorbereitung schlägt Nachsorge: Wer Krankenhauskeime im Auslandspraktikum ernst nimmt, klärt Handschuhe, Händedesinfektion und die eigenen Tätigkeitsgrenzen vor dem Abflug – nicht am ersten Stationstag.

Was sind Krankenhauskeime im Auslandspraktikum genau?

Krankenhauskeime im Auslandspraktikum sind Bakterien aus dem Klinikumfeld, bei denen mehrere Antibiotikagruppen nicht mehr anschlagen. Die wichtigsten Gruppen sind MRSA (ein gegen Methicillin resistenter Staphylococcus aureus) und die MRGN, also multiresistente gramnegative Stäbchen wie E. coli oder Klebsiella pneumoniae. Der Begriff beschreibt damit eine Resistenzlage, keine eigene Krankheit.

Wichtig für das Kopfkino: Besiedlung ist nicht Infektion. Besiedelt heißt, der Erreger sitzt auf deiner Haut, in der Nase oder im Darm, ohne dass du krank bist. Die allermeisten Studierenden, die etwas mitbringen, bringen genau das mit – eine stille Besiedlung, die man nur findet, wenn jemand danach sucht. Eine Infektion entsteht erst, wenn der Erreger eine Eintrittspforte findet: eine Wunde, einen Katheter, einen Eingriff.

Das erklärt auch, warum dieses Thema für dich anders gelagert ist als für die Patient:innen auf deiner Station. Du bist jung, immunkompetent und hast keine liegenden Zugänge. Dein Risiko, an einem multiresistenten Erreger zu erkranken, ist niedrig. Dein Risiko, einen mit nach Hause zu nehmen und in eine deutsche Klinik zu tragen, ist der eigentliche Punkt.

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Wie hoch ist das Resistenzrisiko an deinem Einsatzort?

Es ist höher als in Deutschland, aber es ist messbar und kein Mysterium. Krankenhauskeime im Auslandspraktikum sind kein Sonderfall, sondern ein Regionaleffekt: Die WHO zählt für 2023 weltweit etwa jede sechste laborbestätigte bakterielle Infektion als resistent. In den WHO-Regionen Südostasien und östliches Mittelmeer war es jede dritte gemeldete Infektion – also ungefähr doppelt so viel wie im globalen Mittel.

Anteil resistenter laborbestätigter bakterieller Infektionen 2023 Zwei Balken im Vergleich: weltweit rund 17 Prozent, das entspricht etwa jeder sechsten laborbestätigten bakteriellen Infektion. In den WHO-Regionen Südostasien und östliches Mittelmeer rund 33 Prozent, das entspricht etwa jeder dritten gemeldeten Infektion. Datenjahr 2023, Quelle WHO-Faktenblatt Antimicrobial resistance, Stand 16. Juli 2026. Anteil resistenter bakterieller Infektionen (2023) rund 1 von 6 weltweit (alle WHO-Regionen) rund 1 von 3 WHO-Region Südostasien und östliches Mittelmeer
Quelle: WHO, Faktenblatt „Antimicrobial resistance", Stand 16.07.2026, abgerufen am 27.08.2026. Die Balkenhöhen bilden die von der WHO genannten Anteile maßstäblich ab.

Zwei weitere Zahlen aus demselben Faktenblatt ordnen das ein: Zwischen 2018 und 2023 ist die Resistenz bei über 40 Prozent der beobachteten Erreger-Antibiotika-Kombinationen gestiegen, im Schnitt um 5 bis 15 Prozent pro Jahr. Und für 2021 werden bakterielle Resistenzen mit mehr als 4,7 Millionen Todesfällen weltweit in Verbindung gebracht.

Diese Werte sind Regionalmittel über viele Länder, keine Aussage über eine bestimmte Klinik – und schon gar keine Prognose dafür, ob dir Krankenhauskeime im Auslandspraktikum tatsächlich begegnen. Wo genau dein Einsatzort steht, sagt dir am ehesten die Hygieneabteilung vor Ort – frag beim Einführungsgespräch danach, das ist eine völlig normale Frage.

StandortLandWHO-RegionWas das für dich heißt
GalleSri LankaSüdostasienRegion mit erhöhtem Resistenzanteil – Basishygiene konsequent
PokharaNepalSüdostasienRegion mit erhöhtem Resistenzanteil – Basishygiene konsequent
BaliIndonesienSüdostasienRegion mit erhöhtem Resistenzanteil – Basishygiene konsequent
SansibarTansaniaAfrikaAndere Regionalstatistik, gleiche Hygieneregeln

Warum sind Resistenzen in den Gastländern häufiger?

Der Hauptgrund für Krankenhauskeime im Auslandspraktikum ist der Umgang mit Antibiotika, nicht mangelnde Sorgfalt der Kolleg:innen. Die WHO teilt Antibiotika in die Gruppen Access, Watch und Reserve ein. Access-Präparate sind die Mittel der ersten Wahl mit geringem Resistenzdruck. Watch-Präparate treiben Resistenzen deutlich stärker an – und werden weltweit zu häufig eingesetzt.

Weltweiter Antibiotikaverbrauch beim Menschen nach WHO-AWaRe-Gruppe, 2022 Drei horizontale Balken: Access-Gruppe 53 Prozent des weltweiten Antibiotikaverbrauchs beim Menschen im Jahr 2022, Watch-Gruppe rund 45 Prozent, und als Zielmarke das WHO-Ziel von mindestens 70 Prozent Access bis 2030. Quelle WHO-Faktenblatt Antimicrobial resistance, Stand 16. Juli 2026. Antibiotikaverbrauch weltweit nach WHO-Gruppe (2022) Access 53 % Watch rund 45 % WHO-Ziel ≥ 70 % bis 2030 Anteil am weltweiten Antibiotikaverbrauch beim Menschen; Reserve-Gruppe nicht dargestellt. In fast einem Drittel der Länder lag der Watch-Anteil über 70 Prozent.
Quelle: WHO, Faktenblatt „Antimicrobial resistance", Stand 16.07.2026, abgerufen am 27.08.2026. Die Prozentwerte sind maßstäblich abgebildet.

Dazu kommen Faktoren, die du auf Station direkt siehst: volle Zimmer, wenige Einzelzimmer, Antibiotika ohne Rezept in der Apotheke an der Ecke, und Labore, die Resistenzen nur eingeschränkt bestimmen können. Die KRINKO nennt in ihrer Empfehlung zu multiresistenten gramnegativen Stäbchen sogar Auslandsreisen in Hochendemiegebiete als eigenen Risikofaktor und zitiert dort eine Untersuchung mit einer Erwerbsrate von 24 Prozent bei Reisenden nach Indien.

Diese 24 Prozent gelten für Reisende nach Indien in einer 2012 zitierten Studie – nicht für Sri Lanka, Nepal, Indonesien oder Tansania und nicht für dich. Trag sie also nicht als „jede vierte Person kommt besiedelt zurück" weiter. Sie zeigt nur die Größenordnung, um die es geht.

Wie schützt du dich im Klinikalltag konkret?

Gegen Krankenhauskeime im Auslandspraktikum hilft Basishygiene, und zwar über die immer gleichen fünf Handgriffe. Die WHO fasst sie in ihren „My 5 Moments for Hand Hygiene" zusammen: vor dem Patientenkontakt, vor einer aseptischen Tätigkeit, nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material, nach dem Patientenkontakt und nach Kontakt mit der direkten Patientenumgebung.

Der Alltag auf einer tropischen Station hat ein paar Eigenheiten, die du einplanen solltest:

  1. Nimm eigenes Händedesinfektionsmittel mit. Wandspender sind nicht überall vorhanden oder nicht immer gefüllt. Eine 100-ml-Flasche am Kasack löst das Problem für den ganzen Tag.
  2. Desinfiziere nach den fünf WHO-Momenten, nicht nach Gefühl. Dreißig Sekunden, Hände vollständig benetzt, bis sie trocken sind – kein Abwischen am Kittel.
  3. Kurze Nägel, kein Schmuck, keine Uhr am Handgelenk. Unter Ringen und Uhren wird die Desinfektion unwirksam. Das gilt auch für den Fitnesstracker.
  4. Handschuhe ersetzen die Desinfektion nicht. Vor dem Anziehen und nach dem Ausziehen wird desinfiziert. Handschuhe zwischen zwei Patient:innen zu behalten ist der klassische Übertragungsweg.
  5. Kittel und Kasack bleiben in der Klinik. Nimm mindestens zwei Sets mit und wasch sie so heiß, wie der Stoff es erlaubt – nicht zusammen mit deiner Freizeitkleidung.
  6. Halte deine eigenen Wunden abgedeckt. Schürfwunden, aufgekratzte Mückenstiche und Nagelbettentzündungen sind Eintrittspforten. Wasserfestes Pflaster gehört auf die Packliste.
  7. Arbeite nur innerhalb deiner Ausbildung. Jede Blutentnahme, jeder Zugang und jede Naht, die du nicht sicher beherrschst, ist zugleich ein Verletzungs- und ein Übertragungsrisiko. Bei einer Nadelstichverletzung greift ein eigenes Vorgehen – lies dazu unseren Beitrag zur Nadelstichverletzung im Auslandspraktikum.
Bunte Bakterienkolonien auf einer dunklen Nährbodenoberfläche im Labor – so werden multiresistente Erreger im Kulturmedium sichtbar gemacht
Ob ein Erreger multiresistent ist, entscheidet sich im Labor. Kliniken in ressourcenärmeren Regionen können Resistenzen oft nur eingeschränkt bestimmen – ein Grund, warum die WHO Südostasien und das östliche Mittelmeer als Regionen mit den höchsten Resistenzanteilen ausweist.

Was gehört gegen Krankenhauskeime im Auslandspraktikum in dein Gepäck?

Wenig, aber das konsequent. Gegen Krankenhauskeime im Auslandspraktikum hilft kein Spezialprodukt, sondern Ausrüstung, die dich unabhängig von der Ausstattung der Gastklinik macht: Händedesinfektionsmittel, wasserfeste Pflaster, ausreichend eigene Arbeitskleidung und eine Schutzbrille, falls dir keine gestellt wird. Alles Weitere stellt die Klinik, oder es ist im Praktikum schlicht entbehrlich.

Nicht auf die Liste gehört: ein Antibiotikum „für alle Fälle" aus der heimischen Apotheke. Eine Selbstmedikation ohne Diagnose ist genau der Mechanismus, der Resistenzen weltweit antreibt. Was sinnvoll in die Reiseapotheke gehört, steht in unserer Reiseapotheke für Famulatur und PJ; welche Impfungen wirklich nötig sind, klärt der Beitrag zu den Impfungen für Famulatur und PJ im Ausland. Und ja: Gegen MRSA und MRGN gibt es keine Impfung – Hepatitis B ist die Impfung, die im Klinikalltag wirklich zählt.

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Wirst du nach der Rückkehr abgestrichen?

In aller Regel nicht automatisch. Krankenhauskeime im Auslandspraktikum lösen in Deutschland keine Pflichtuntersuchung aus: Die KRINKO empfiehlt in ihrer MRSA-Empfehlung ausdrücklich „keine routinemäßige Untersuchung (Screening) von Personal hinsichtlich einer MRSA-Besiedlung". Stattdessen soll jede Einrichtung mit Personalvertretung, betriebsärztlichem Dienst und Hygieneverantwortlichen eigene betriebliche Festlegungen treffen, wann untersucht und dekolonisiert wird.

Das heißt: Es gibt keine bundesweite Pflicht, dich nach dem Auslandspraktikum abzustreichen – aber sehr wohl Häuser, die es tun, weil ihr Hygieneplan es vorsieht. Nach § 23 Abs. 5 des Infektionsschutzgesetzes müssen Krankenhäuser innerbetriebliche Verfahrensweisen zur Infektionshygiene in solchen Hygieneplänen festlegen. Zuständig ist also nie „die Politik", sondern die Krankenhaushygiene deines Hauses.

Getrennt davon steht das Aufnahme-Screening für Patient:innen. Dort zählt die KRINKO unter anderem Personen aus Regionen oder Einrichtungen mit bekannt hoher MRSA-Prävalenz sowie Patient:innen mit einem stationären Krankenhausaufenthalt von mehr als drei Tagen in den zurückliegenden zwölf Monaten – ausdrücklich auch in einer Klinik im Ausland. Für multiresistente gramnegative Erreger nennt die KRINKO Menschen mit „kürzlichem Kontakt zum Gesundheitssystem in Ländern mit endemischem Auftreten" als Risikogruppe. Als Praktikant:in bist du kein Patient, aber du kannst einer werden – und dann ist dein Auslandsaufenthalt eine Information, die ins Aufnahmegespräch gehört.

So gehst du die Rückkehr an:

  1. Frag früh, nicht am ersten Tag. Schreib der Krankenhaushygiene oder dem betriebsärztlichen Dienst deiner nächsten Klinik schon vor dem Abflug eine kurze Mail: Praktikum in welchem Land, welcher Zeitraum, welche Station.
  2. Erwähne den Auslandsaufenthalt aktiv. Bei der Einführung im nächsten Tertial, bei jeder eigenen Krankenhausaufnahme und bei jeder Antibiotikaverordnung für dich selbst.
  3. Nimm einen Abstrich an, wenn er angeboten wird. Er kostet dich zehn Minuten, und ein negatives Ergebnis nimmt das Thema für alle vom Tisch.
  4. Bei einem positiven Befund: keine Panik, aber Plan. Eine Besiedlung ist keine Krankheit. Die KRINKO sieht nach einer Dekolonisierung drei negative Kontrollabstriche an verschiedenen Tagen vor; weitere Kontrollen nach 3, 6 und 12 Monaten erhöhen die Sicherheit. Das Vorgehen legt dein betriebsärztlicher Dienst fest.

Dass sich hier etwas bewegt, zeigt der Blick ins laufende Jahr: Am 5. Februar 2026 hat die KRINKO im Epidemiologischen Bulletin 6/2026 eine Ergänzung zu ihrer MRGN-Empfehlung veröffentlicht, in der es um die Einstufung nach EUCAST-Grenzwerten geht. Wer Krankenhauskeime im Auslandspraktikum plant, sollte den Stand der Empfehlungen deshalb im Jahr der Abreise noch einmal prüfen – und die Einordnung des eigenen Falls der Hygieneabteilung überlassen, nicht einem Blogbeitrag.

Für die formale Seite deines Praktikums bleibt der Weg der gewohnte: Die Anerkennung läuft über dein Landesprüfungsamt, und die Regeln unterscheiden sich zwischen den 16 Bundesländern. Wie das abläuft, steht in unserem Beitrag zur Anerkennung der Auslandsfamulatur. Die Formate im Überblick: Famulatur, Pflegepraktikum, PJ, PA-Praxisphase, Hospitation sowie die Standortübersicht und die Erfahrungsberichte. Grundlagen zum Ablauf findest du außerdem im Famulatur-Ratgeber und im Pflegepraktikum-Ratgeber.

FAQ: Krankenhauskeime im Auslandspraktikum

Quellen