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Famulaturen und KPJ in Österreich: Pflichtpraktika

MUDr. Amandeep Grewal

MUDr. Amandeep Grewal

Arzt

  • 9. August 2026
  • 8 Minuten
Famulaturen und KPJ in Österreich: Pflichtpraktika

Famulaturen und KPJ in Österreich: Pflichtpraktika im Medizinstudium 2026

Was viele Medizinstudierende nicht wissen: Famulaturen und KPJ in Österreich unterscheiden sich strukturell deutlich vom deutschen Modell, obwohl beide ähnlich klingen. Famulatur und KPJ Österreich sind die zwei Pflichtpraktika, an denen kein Medizinstudium vorbeikommt: die Famulatur und das Klinisch-Praktische Jahr (KPJ). Die Famulatur ist ein Pflichtpraktikum in ambulanten und stationären Einrichtungen während des Studiums, während das KPJ den abschließenden, ärztlich betreuten Praxisblock im letzten Studienjahr bildet, vergleichbar mit dem deutschen Praktischen Jahr (PJ). Zusammen umfassen beide 60 Wochen praktische Ausbildung, 12 Wochen Famulatur plus 48 Wochen KPJ (Medizinische Universität Wien, 2025) – die Famulatur macht damit rund 20 % der gesamten praktischen Pflichtausbildung aus. In einer Befragung von Studierenden der MedUni Wien zu genau diesen Praktika beantworteten 304 von 3.014 kontaktierten Personen den Fragebogen, eine Rücklaufquote von 10,1 % (Seitz, Turk & Univ.-Prof. Dr. med. univ. Henriette Löffler-Stastka, PMC, 2016). Dieser Guide zeigt dir, wie beide Praktika aufgebaut sind, welche Fristen gelten und wo sich das österreichische Modell vom deutschen Praktischen Jahr unterscheidet.

Key Takeaways

Die wichtigsten Fakten zu Famulaturen und KPJ in Österreich in Kürze:

  • Die Pflichtfamulatur in Österreich umfasst 12 Wochen: 4 Wochen Innere Medizin, 4 Wochen Primärversorgung und 4 Wochen frei wählbar (MedUni Wien, 2025).
  • Das Klinisch-Praktische Jahr (KPJ) dauert 48 Wochen und entspricht 60 ECTS, aufgeteilt in drei Tertiale à 16 Wochen (MedUni Wien, 2025).
  • Als Pflichtfamulatur anerkannt werden nur Einrichtungen im EU-/EWR-Raum sowie in der Schweiz, außerhalb dieser Zone ist eine Anrechnung in der Regel nicht möglich.
  • Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) Salzburg ist strukturell nicht identisch mit den drei staatlichen Universitäten: Sie komprimiert das Studium auf 5 statt 6 Jahre (PMU Salzburg, 2025).
  • Anders als das deutsche Praktische Jahr verlangt das österreichische KPJ kein zusätzliches 90-tägiges Pflegepraktikum (ÄApprO 2002).

[IMAGE: Medizinstudentin bespricht Patientenakte mit Arzt auf Klinikstation, Famulatur Krankenhaus]

Wie viele Wochen Famulatur musst du in Österreich absolvieren?

Bei Famulaturen und KPJ in Österreich sind im Medizinstudium insgesamt 12 Wochen Famulatur Pflicht, aufgeteilt in 4 Wochen Innere Medizin, 4 Wochen Primärversorgung und 4 Wochen frei wählbar (MedUni Wien, Famulaturen & Praktika, 2025). Diese Aufteilung gilt für die gesamte Pflichtfamulatur, unabhängig vom gewählten Fach.

Aufbau der 12 Pflichtwochen

Die drei Blöcke sind klar definiert und lassen dir trotzdem Gestaltungsspielraum:

  • 4 Wochen Innere Medizin
  • 4 Wochen Primärversorgung, etwa Allgemeinmedizin
  • 4 Wochen frei wählbar, zum Beispiel Chirurgie, Pädiatrie oder ein Fach deiner Wahl

Zeitliche Vorgaben und Mindestdauer

Mindestens 8 Wochen, davon 4 Wochen Innere Medizin, müssen vor dem Eintritt in den 3. Studienabschnitt absolviert sein, die restlichen 4 Wochen spätestens vor Beginn des KPJ (MedUni Wien, 2025). Pro Einrichtung gilt eine Mindestdauer von 2 Wochen, Fehlzeiten bis zu 20 Prozent werden akzeptiert. Eine Woche Famulatur entspricht dabei 1 ECTS, also rund 25 bis 30 Stunden.

In unserer Beratungspraxis erleben wir immer wieder, dass Studierende die 8-Wochen-Frist vor dem 3. Studienabschnitt mit der Gesamtfrist verwechseln und dadurch zu spät mit der Planung beginnen. Wer früh strukturiert, vermeidet Terminstress kurz vor dem KPJ.

So planst du deine 12 Famulatur-Wochen richtig:

  1. Prüfe im Studienplan, wann dein 3. Studienabschnitt beginnt.
  2. Sichere dir zuerst die 4 Wochen Innere Medizin, idealerweise früh im Studium.
  3. Ergänze die restlichen 4 Wochen für die 8-Wochen-Frist mit einem Primärversorgungs- oder Wahlfach.
  4. Plane die letzten 4 freien Wochen spätestens vor dem Start deines KPJ ein, etwa als Famulatur im Ausland.

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Welche Auslandsfamulaturen werden in Österreich anerkannt?

Als Pflichtfamulatur anerkannt werden Aufenthalte im EU-/EWR-Raum sowie in der Schweiz, außerhalb dieser Zone ist eine Anrechnung in der Regel nicht möglich (MedUni Wien, 2025). Für die verpflichtenden 12 Wochen solltest du das vorab bei deiner Universität klären.

Bei Famulaturen und KPJ in Österreich sehen wir in der Beratung oft, dass Studierende annehmen, jede Auslandsfamulatur zähle automatisch als Pflichtstunden. Das stimmt für Ziele außerhalb von EU, EWR und Schweiz meistens nicht, gilt aber nicht für jede Praxiserfahrung: Zusätzliche, freiwillige Einblicke in ein anderes Gesundheitssystem bleiben trotzdem wertvoll für deinen Lebenslauf.

Wichtig für dich: Unsere eigenen Standorte in Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar liegen außerhalb des EU-/EWR-Raums. Für die 12 Pflicht-Wochen deiner Famulatur solltest du daher primär auf EU-/EWR-/Schweiz-Kliniken setzen. Als zusätzliche, freiwillige Praxiserfahrung neben der Pflichtzeit, etwa in den Semesterferien, lassen sich unsere Standorte trotzdem sinnvoll einbauen. Sprich uns in der Beratung an, wir klären mit dir, was für deine Universität zählt.

Wie ist das Klinisch-Praktische Jahr (KPJ) in Österreich aufgebaut?

Das KPJ dauert 48 Wochen und entspricht 60 ECTS, aufgeteilt in drei Tertiale à 16 Wochen, die in beliebiger Reihenfolge und an unterschiedlichen Kliniken absolviert werden können (MedUni Wien, KPJ: Struktur und zeitlicher Ablauf, 2025). Es findet im 6. Studienjahr statt und bildet den Abschluss deiner klinischen Ausbildung.

Die drei Tertiale im Überblick

  • Tertial A: Innere Medizin
  • Tertial B: Chirurgische und perioperative Fächer
  • Tertial C: Wahlfach

Lernziele des KPJ

Das KPJ soll dich befähigen, klinisch-praktische Fähigkeiten sicher anzuwenden, ärztliche Entscheidungen zu treffen und wissenschaftlich fundiert sowie evidenzbasiert zu arbeiten. Anders als in der Famulatur übernimmst du hier schrittweise mehr Verantwortung im Klinikalltag, immer unter fachärztlicher Aufsicht.

KPJ im Ausland absolvieren

Ein Tertial im Ausland zu absolvieren ist grundsätzlich möglich, Voraussetzung ist, dass die aufnehmende Klinik von deiner Medizinischen Universität vorab anerkannt wird. Kläre die Genehmigung immer rechtzeitig mit deiner Heimatuniversität, bevor du buchst. Genau hier unterstützt dich unser Service für das Praktische Jahr im Ausland: Wir organisieren die Klinikplätze, du klärst die Anerkennung mit deiner Uni.

[IMAGE: Medizinstudent bei einer klinischen Untersuchung während des KPJ-Tertials]

An welchen Universitäten kannst du in Österreich Medizin studieren?

Humanmedizin kannst du in Österreich an vier Universitäten studieren: MedUni Wien, MedUni Graz, MedUni Innsbruck und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) Salzburg. Diese vier Standorte sind allerdings nicht strukturell identisch, wie oft angenommen wird.

Die drei staatlichen Universitäten, Wien, Graz und Innsbruck, folgen einem 6-jährigen Curriculum mit KPJ im letzten Studienjahr. Die PMU Salzburg komprimiert das Studium hingegen auf 5 Studienjahre, das KPJ findet am Ende dieses verkürzten letzten Jahres statt (Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg, 2025). Wer den Studienort wählt, sollte diesen Unterschied kennen, nicht nur die Zulassungschancen vergleichen.

Was unterscheidet das Praktische Jahr in Deutschland vom KPJ in Österreich?

In Deutschland umfasst das Praktische Jahr ebenfalls 48 Wochen, zusätzlich verlangt die Approbationsordnung aber 4 Monate Famulatur und ein 90-tägiges Pflegepraktikum, das Österreich so nicht kennt (Approbationsordnung für Ärzte, ÄApprO 2002). Österreichische Studierende sparen sich damit einen kompletten Praktikumsblock.

MerkmalDeutschland (PJ)Österreich (KPJ)
Praxisjahr48 Wochen, 3 Tertiale48 Wochen, 3 Tertiale
Famulatur4 Monate (ca. 16 Wochen)12 Wochen
Pflegepraktikum90 Kalendertageentfällt

Damit zeigt sich beim Vergleich von Famulatur und KPJ Österreich mit dem deutschen Modell: Das KPJ ist in der Struktur dem deutschen PJ sehr ähnlich, in der Summe aller Pflichtpraktika aber schlanker. Wer zwischen einem Studium in Deutschland oder Österreich schwankt, sollte diesen Unterschied bei der Planung deiner Auslandsaufenthalte berücksichtigen, etwa bei der Finanzierung deines Auslandspraktikums oder über ein Erasmus-Praktikum.

[CHART: Balkendiagramm - Pflichtpraktikum-Wochen Deutschland (PJ + Famulatur + Pflegepraktikum) vs. Österreich (KPJ + Famulatur) - Quelle: ÄApprO 2002, MedUni Wien]

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Häufig gestellte Fragen zu Famulaturen und KPJ in Österreich

Fazit

Famulaturen und KPJ in Österreich sind die zentralen Pflichtpraktika im österreichischen Medizinstudium: 12 Wochen Famulatur bringen dir erste klinische Einblicke, das 48-wöchige KPJ bildet den praktischen Höhepunkt vor dem Berufseinstieg. Achte auf die EU-/EWR-Anerkennungsregel bei Auslandsfamulaturen und darauf, dass die PMU Salzburg strukturell anders tickt als die drei staatlichen Universitäten.

Egal, ob du dein KPJ-Tertial im Ausland planst oder zusätzliche Praxiserfahrung neben Famulaturen und KPJ in Österreich suchst: travel4med begleitet dich bei der Organisation von Klinikplätzen in Sri Lanka, Nepal, Bali und Sansibar. Schau in unseren Erfahrungsberichten vorbei oder vereinbare direkt einen Termin in der Beratung.

Quellen